Die zündende Idee

Patrik Molitor liebt Herausforderungen. Der 27-jährige Linde Mitarbeiter entwickelte mit seinem Team ein Modellfahrzeug mit komplett emissionsfreiem Antrieb. Wie? Durch eine Vision – und die Kraft der Chemie.

Es gibt Menschen, die gerne den bequemen Weg gehen. Patrik Molitor gehört nicht dazu. Wenn er ein Ziel erreicht hat, hat er auch schon das nächste im Blick. Seine Ausbildung zum Mechatroniker bei Linde in Hamburg etwa konnte er mit überzeugenden Leistungen um mehrere Monate abkürzen. Nach seiner Arbeit als Servicetechniker begann er dann ein duales Studium - Maschinenbau mit Schwerpunkt Verfahrenstechnik.

Als im 5. Semester seine Studienarbeit anstand, hatte Molitor die Wahl zwischen bequem oder aufwendig – und entschied sich für Letzteres. Der Lohn: ein unvergessliches Projekt und der zweite Preis bei einem großen Studenten-Wettbewerb.

An der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim können Studenten aus einem Themenkatalog ein Thema für ihre Studienarbeit aussuchen. „Da gibt’s dann auch Themen wie Literaturrecherchen über irgendein Bauteil, die schon 500 Mal gemacht wurden,“ erinnert sich Patrik. „Oder man sucht sich was Spannenderes aus. Mir ist gleich das ChemCar ins Auge gefallen.“ Das ChemCar-Projekt: eine Herausforderung, wie gemacht für Patrik. Ziel der Übung ist, ein Fahrzeug zu entwickeln, das eine vorgegebene Strecke von 14,5 Metern (nicht mehr und nicht weniger!) abfahren kann. Damit noch nicht genug: das Vehikel darf nur durch eine chemische Reaktion betrieben werden, die natürlich auch möglichst emissionsfrei, sicher und sauber sein soll. 


Patrik Molitor
Das Team LoChemotive (von links nach rechts: Markus Ketterer, Inga Müller, Patrik Molitor)

Teamwork ist alles – hier stimmt die Chemie

Im März 2018 sollten die unterschiedlichen Studentengruppen in einem Wettbewerb gegeneinander antreten. Im November 2017 steckte das vierköpfige Team erstmals die Köpfe zusammen. Sie gliederten sich in verschiedene Aufgabenbereiche wie Konstruktion und Verfahrenstechnik auf. Es begann eine sehr intensive Phase in Patriks Leben. Ideen wurden gesammelt und wieder verworfen. Nächte durchgearbeitet. „Das Projekt war zwar aufwendiger als andere, aber dafür sehr spannend und lehrreich,“ findet er. Bis März 2018 war nun Zeit, das Projekt in die Realität umzusetzen. Rückschläge blieben nicht aus. „Die Ideen abzustimmen, sich zu einigen und alles zu einem großen Ganzen zusammenzufügen war sehr anspruchsvoll.“ Schließlich galt es nicht nur das Fahrzeug zu bauen, sondern auch mit einer innovativen Antriebstechnik zu überzeugen.

Dann kam dem Team die zündende Idee: Wasserstoffperoxid in Kombination mit Eisenchlorid. „Die Stoffe kennt man eventuell auch vom Haare färben,“ erklärt Patrik. „Eisenchlorid ist wie ein Pulver. Wenn man die beiden Elemente zusammenbringt, gibt es eine heftige Reaktion. Das Wasserstoffperoxid zersetzt sich in Wasser und Sauerstoff. Dadurch bleibt zum einen nur Wasser zurück und es entsteht Sauerstoff in gasförmigem Zustand. Der Sauerstoff baut einen Druck auf und mit diesem Druck konnten wir unseren Motor antreiben, der das Fahrzeug in Bewegung setzt. Die Reaktion ist durchaus ein Klassiker, wurde durch uns aber in Form eines homogenen Katalysators verfeinert.“

Auch bei der Wahl des Fahrzeugs setzte das Team auf ein unkonventionelles Modell: eine Mini-Lokomotive im Linde Design mit einem Gehäuse aus dem 3D-Drucker. So war dann auch der Name des Teams schnell gefunden: LoChemotive.

Für die Unterstützung von Linde ist Patrik dankbar. „Linde hat viele materielle Dinge gesponsert. Zum Beispiel ein teures Sicherheitsventil, zudem hatten wir Zugang zur Werkstatt, um Versuche zu fahren. Da hat mich Linde schon sehr unterstützt.“


Der Big Bang – das große Finale

Nach ausgiebigen Testphasen des Fahrzeugs gipfelte das Projekt im ChemCar-Wettbewerb, der im Rahmen der der ProcessNet-Jahrestagung 2018 in Aachen stattfand. ProcessNet ist eine der renommiertesten Plattformen für Verfahrenstechnik, Chemieingenieurwesen und Technische Chemie. Für Patrik war die Teilnahme Belohnung für viele lange Nächte. „Das war ein Wahnsinns-Gefühl. Man geht bei so einem Projekt sehr viele Phasen durch. Am Anfang ist man total euphorisch, hat super viele Ideen. Dann kommt auch mal die Ernüchterung, weil man viele Nachtschichten einlegen muss. Und gerade am Ende ist man erleichtert und stolz, alles überstanden zu haben.“ Letztlich zahlte sich der Ehrgeiz aus: Patriks Team erreichte in dem sieben Mannschaften umfassenden Teilnehmerfeld den zweiten Platz.


Die Zukunft ist umweltschonend

Für Patrik war der Wettbewerb ein Erlebnis, das ihn nachhaltig geprägt hat. „Entscheidungen zu treffen, Kompromisse einzugehen und Prioritäten zu setzen – das habe ich am meisten mitgenommen.“ Nach seinem Studienabschluss ist Patrik nun als Vertriebsingenieur für die Region Nord-Ost in Deutschland zuständig. Er ist tätig an Standorten wie Hamburg, Hannover, Berlin und Leuna. Dort entwickelt sich Patrik tagtäglich weiter und hat auch keine Lust auf Stillstand. Er wirkt wie jemand, der zielstrebig seinen Weg weitergehen wird. Zum Schluss verrät er uns noch: „Es gibt immer wieder Leute, die sich für das Projekt ChemCar interessieren – somit ist es auch nie wirklich abgeschlossen.“

Das ChemCar bei der ProcessNet 2018 in Aachen

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